Mein erstes MacBook (das erste Unibody-Modell von 2008) hat ab und an noch mal ‘ne CD oder DVD zu sehen bekommen – primär wenn irgendjemand mal was gebrannt haben wollte. Oder aber für das Update auf OS X 10.6 Snow Leopard.
Das Nachfolgegerät, ein MacBook Pro aus der Baureihe “Mid 2010″, nenne ich nun schon ein Dreivierteljahr mein Eigen und soweit ich mich erinnern kann, war da noch nie eine Plastikscheibe drin. Die sind ja auch tot.
Grund genug, sich mal ausführlich mit der Idee zu beschäftigen, dass DVD-Laufwerk durch eine zweite Festplatte zu ersetzen – und diesen Plan dann auch zu realisieren.
Nach einigem Überlegen wurde mir klar: wenn du das MacBook schon aufschraubst und da drin rumbastelst, dann mach doch auch gleich Nägel mit Köpfen und bau eine SSD ein – dann musst du dir die nächsten Jahre keine Sorgen um die Performance mehr machen.
Die Preise für SSDs haben mich eine Zeit lang davon abgehalten, wollte ich doch Betriebssystem, Programme und auch noch meine Fotodatenbank (die derzeit so um die 50GB umfasst) auf die SSD schieben.
Irgendwann begriff ich dann, dass meine Fotodatenbank in den nächsten Monaten vermutlich schneller anwachsen würde als die Preise für SSDs fallen würden. Mit dem Erwerb einer SSD zu warten würde also nur die Zeit, die ich unter langsamen HDDs leiden würde unnötig verlängern. Und wer leidet schon gerne? Genau.
So viele SSDs… welches Schweinderl hätten’s denn gern’?
Nach einiger Recherche blieben für mich nur noch eine SSD von OCZ (Vertex 2) oder eine von Crucial (C300) im Rennen. Bei den SSDs von OCZ gibt’s momentan ein kleines Ärgernis, da die ihre Produktion umgestellt haben, um die Kosten zu drücken, was wohl darin resultiert, dass aktuelle Chargen deutlich schlechtere Lese-/Schreibwerte liefern als ältere Chargen. Zwar gibt’s ein kostenloses Austauschprogramm für alle, die mit der Leistung ihrer neuen Vertex2 nicht zufrieden sind – auf das Theater hatte ich aber keine Lust.
Ein guter Kompromiss aus Leistung, Qualität und Preis (oh, und eine SSD von einem namhaften Hersteller sollte es natürlich auch sein!) war dann die Crucial RealSSD mit 64GB Speicherkapazität. Momentan gibt’s die bei Amazon für 105€.
Ihre Qualitäten spielt diese SSD vollumfänglich zwar erst mit einem 6GBit/s-fähigen Controller aus – aber um’s vorweg zu nehmen: auch mit dem 3GBit/s-Controller im MacBook Pro geht’s mit so einer SSD ab, wie ich es mir noch vor knapp zwei Jahren nicht zu erträumen gewagt hätte!
SSD ist da – und nun?
Um eine SSD zusätzlich zur bestehenden Festplatte in einem MacBook Pro zu verbauen, bedarf es eines Umbau-Kits. Bei Apple ist alles auf Maß gesägt, es gibt nur noch “Custom Parts” in den Geräten. Man darf also nicht erwarten, dass man die SSD einfach so reinschrauben könnte.
In den USA/China gibt’s solche Kits schon lange als “OptiBay” von MCE zu kaufen. Dort hätte so ein Kit 100$ plus Porto plus Zoll gekostet. Natürlich gibt’s die Dinger inzwischen auch über eBay aus der EU oder China zu beziehen – aber dort sind die Preise nicht viel attraktiver.
Relativ neu auf dem deutschen Markt ist hardwrk SSD HDD Adapter Kit für MacBook (Pro). Der Laden gehört zu yeebase, die seit Jahren das unsägliche T3N-Magazin auf den Markt werfen. Aber das ist ein anderes Thema.
Das hardwrk-Adapter-Kit kostet 75€, kommt mit sämtlichem benötigten Werkzeug(!!!) einer ausführlichen und bebilderten Umbauanleitung, sowie einem Gehäuse, in das man das ausgebaute DVD-Laufwerk stecken kann, um es mal per USB anschließen zu können, wenn man’s denn doch mal brauchen sollte.
Der Umbau
Man muss sich vor dem Umbau darüber im klaren sein, was man wo hin bauen will. Auf verschiedenen Seiten liest man, dass die HDD unbedingt am alten Platz bleiben muss, weil dort weniger Vibrationen auftreten. Auf anderen Seiten liest man, dass die SSD unbedingt dort eingebaut werden muss, wo standardmäßig die HDD sitzt, weil OS X sonst Probleme machen würde. Wieder andere behaupten, dass es völlig egal sei, wo die HDD sitze, da OS X den Schreib-/Lesekopf eh parkt, sobald es zu erhöhten Vibrationen kommt.
Ich habe dann am Ende einfach den Zufall per Münzwurf entscheiden lassen und mich dann daran gemacht, die SSD in den HDD-Schacht zu bauen und die HDD in den hardwrk-Adapter zu stecken und diesen an Stelle des DVD-Laufwerks einzubauen.
Probleme gab’s dabei kaum. An einer Stelle fand ich die Anleitung undeutlich. Eine kurze Denkpause von 20 Sekunden konnte das Problem aber auch klären (Pro-Tipp: Ja, es bleibt eine Schraub über!
).
Wenn ich mich recht entsinne steht in der Anleitung, dass man für die Operation 2 Stunden einplanen sollte. Das kann definitiv nur für Leute gelten, die noch nie mit Hardware gebastelt haben! Ich, der ich schon mehrere MacMinis und auch MacBooks aufgemacht und operiert habe, hatte nach 2h nicht nur alles umgebaut, sondern auch alles wieder fertig und lauffähig eingerichtet – ohne den Migrationsassistenten.
Für Angsthasen gibt es zwei Stolpersteine: man muss sowohl um den Boden vom MacBook abzunehmen als auch um das DVD-Laufwerk auszubauen mehr Kraft aufwenden als man denken sollte und bekommt einige Geräusche zu hören, die den unbedarften Mac-Schrauber das ein odere ander Mal laut “Oh Scheiße!” rufen lassen dürften.
Was noch?
Ich habe mich dazu entschieden, die Developer Preview von OS X 10.7 (“Lion”) zu installieren. Wegen des vermeindlich besseren SSD-Supports. So eine Developer Preview ist aber in der Tat nur was für Leidensfähige oder eben “wahre Fans”. OS X 10.6 (“Snow Leopard”) wird eurer SSD nicht “schaden” – bis zum Release von 10.7 im Sommer wird sie’s garantiert überleben. Im Wesentlichen geht es ohnehin “nur” um TRIM (Hierzu sei mobileMacs #52 “Trololo Tralala” empfohlen).
Ach ja, lohnt sich der Aufwand (arbeitstechnisch und finanziell) überhaupt? Ja, JA, drei Mal JA! Das sind die Geschwindigkeiten auf die seit Ewigkeiten warte! Trotz eines komplett verschlüsselten Dateisystem startet OS X in 14 Sekunden. “Kleine” Programme wie Safari sind quasi instantan geöffnet. Und selbst Schwergewichte wie Photoshop sind in weniger als 5 Sekunden Einsatzbereit. Man kommt da relativ schnell in einen wahren Geschwindigkeitsrausch. Allerdings habe zumindest ich mich auch relativ schnell an diese Geschwindkeiten gewöhnt und ertappe mich ab und an, wie ich innerlich ungeduldig Däumchen drehe, wenn irgendetwas nicht sofort passiert.
Noch schlimmer ist es, wenn ich etwas an meinem MacMini ohne SSD mache. Aber das ist dann auch schon der einzige Nachteil, den die Operation mit sich gebracht hat.
