Archiv für den Autor: Sebastian Schack

Die beste Keynote seit Jobs

Am vergangenen Montag war es mal wieder so weit: Apple lud die weltweite Entwicklergemeinde zur Konferenz nach San Francisco. Wer nicht vor Ort war konnte diesmal sogar live per Webstream teilnehmen.

Viel wurde Apple in den letzten Monaten vorgeworfen: Tim Cook sei kein “Leader”, Apple nicht mehr innovativ, und so weiter. Einige Vorwürfe waren durchaus berechtigt, andere ähnlich abstrus wie das Verhalten der Börsianer.

Ganz ab von den vielen Neuerungen, die präsentiert wurden, führte die diesjährige WWDC-Keynote vor allem zu einer Erkenntnis: Apple lebt. Und wie.
Tim Cook zeigte (im Rahmen seiner als Finanzmensch beschränkten Möglichkeiten) Emotionen. Immer dann, wenn er über Apple und Apples Mission sprach.

Craig Federighi, in Fachkreisen seit seinem ersten Auftritt als “Verpincher” verrufen, lieferte eine unglaublich souveräne Präsentation mit diversen Gags, die allesamt funktionierten, ab.

Phil Schiller, der Keynote-Veteran, war der Stolz auf die neuen Produkte zu jederzeit anzumerken. Ausdruck fand dieser Stolz in einem trotzigen “Can’t innovate anymore, my ass” am Ende der Vorstellung des neuen Mac Pro.

Und auch der mir bis dato völlig unbekannte Roger Rosner, der iWork in the Cloud präsentierte, und Eddy Cue, der für iTunes Radio viel zu wenig Zeit bekam, haben sich keine Blöße gegeben.

Es war mit Abstand die beste Keynote seit dem Ableben von Steve Jobs. Apple hat bewiesen, dass man in Cupertino sehr wohl noch am Puls der Zeit und der Zeit in manchen Fällen ein Stück voraus ist. Rückblickend ist zu sagen, dass Apple schwer von Jobs’ Tod getroffen wurde. Nicht nur menschlich-emotional. Man hat sich aber nach der von Cook initiierten Umstrukturierung der Führungsetage offensichtlich gut neu zusammengefunden und ist bereit für neue Abenteuer. 

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Fliegen

Ich hatte die letzten Tage mal wieder das Vergnügen ein wenig per Flugzeug unterwegs zu sein. Dinge, die mir aufgefallen sind:

1. Sicherheitskontrollen sind vollkommen willkürlich

Während ich von dem völlig unfreundlichen Security-Typen in Hamburg beinahe erschossen wurde, weil ich meinen Gürtel in der Hose vergessen hatte und mich nach dem Befehl diesen auszuziehen noch so dreist war zu fragen, ob er den nicht einfach mit seinem Hand-Scanner überprüfen könne, dass das wirklich nur die Gürtelschnalle war, die den Alarm auslöste, waren Sicherheitskontrollen in Neapel praktisch nicht existent. Ja, es gab einen Scanner für mein Handgepäck. Aber ich durfte den Gürtel drin lassen und auch Telefon, Portemonnaie und Schlüsselbund in der Hose waren kein Problem. Natürlich piepte es auch da. Der folgende Dialog ist nicht gekürzt, aber aus dem Gedächtnis wiedergegeben: “Ey, anything in your pockets, sir?” – “Uhm, just a phone, keys, …” – “Wallet? Any change?” – “Oh, yes, also that.” – “It’s OK”. Wenn man dem italienischen Security- Menschen nicht erzählt, dass man eine Waffe dabei hat (hatte ich natürlich nicht), wird man also anscheinend durchgewunken.

2. Flughafenbetreiber glauben, sie würden nur Kinder befördern

Welchen anderen Grund könnte es dafür geben, dass die Wasserhähne auf Hamburgs Flughaftentoiletten nur ungefähr 5 Sekunden Wasser ausstoßen? Die Flughafenbetreiber rechnen offensichtlich damit, dass alle Passagiere sich sonst einen Spaß daraus machen würden alle Wasserhähne voll aufzudrehen und mit debilem Grinsen im Gesicht wegzulaufen.

3. Verpflegung auf Kurzstrecken ist ein Witz

Was soll das? Man steigt in Hamburg in den Flieger und ist nicht mal 90 Minuten später in München schon wieder aus dem Flieger raus. Warum turnen die Flugbegleiter durch den Flieger, verteilen Winz-Packungen mit Erdnüssen und einen Schluck Getränk der Wahl, wenn man gerade mal 90 Minuten unterwegs ist? Niemand wird verhungern oder verdursten. Wie viele Millionen könnten da wohl pro Jahr gespart werden?

4. Elektronische Geräte während des Flugs

Ach, ich fang lieber gar nicht erst an, mich darüber aufzuregen. Aber wie hirnrissig ist der Quatsch bitte. Ebenfalls ein bestmöglich aus dem Gedächtnis zitierter Dialog: “Entschuldigen Sie, aber Sie müssen Ihr Telefon ausschalten.” – “Weshalb eigentlich?” – “Weil das die Bordelektronik beeinflussen kann.” – “Nein, kann es nicht und das wissen Sie auch.” – “Können Sie bitte wenigstens die Kopfhörer absetzen und so tun, als ob das Telefon aus ist, bis wir die Reisehöhe erreicht haben bevor andere Passagiere nervös werden?”. 


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Pasta al dente in nur einer Minute?

Drüben bei Ideas in Food haben sie einen ziemlich coolen Trick, um Pasta in nur 60 Sekunden “al dente” zu kochen. Okay, dabei wird natürlich ein bisschen geschummelt. Ich hab’s trotzdem mal ausprobiert und es funktioniert tatsächlich.

Schritt 1: Man legt die getrockneten Nudeln 90 Minuten in Wasser ein. Ob in einer Schüssel, einem Beutel oder einem Topf ist völlig egal.

Schritt 2: Man bringt einen Topf mit gesalzenem Wasser zum Kochen.

Schritt 3: Man wirft die durchtränkten Nudeln ins kochende Wasser und wartet 60 Sekunden.

Schritt 4: Es gibt keinen schritt vier. Die nudeln sind jetzt fertig.

Wann braucht man diesen Trick? So richtig will mir nichts einfallen, aber man könnte folgendes Szenario konstruieren: Man hat wenig Zeit und viel zu tun. Schmeißt die Nudeln ins Wasser und fährt einkaufen. Während man danach schnell duscht bringt man das Wasser im Topf zum kochen. Mit dem Handtuch lässig um die Hüften geschwungen schmeißt man die Nudeln ins kochende Wasser und kaum, dass man sich wieder vernünftig angezogen hat sind die Nudeln auch schon essbereit. Man kann die Pasta dann genussvoll runterschlingen und zum nächsten Termin rennen.

Klingt nicht nach meiner Vorstellung von einem gelungenen Abendessen. Aber in der Not frisst der Teufel fliegen, oder wie war das?

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Holstein Kiel wird trotz 9 abgezogenen Punkten Meister

Holstein Kiel ist Meister in der Regionalliga und spielt nun in der Relegation um den Aufstieg in die 3. Bundesliga. Doch dazu wäre es beinahe nicht gekommen.

Erst am 16.5.2013 nämlich wurde das Insolvenzverfahren gegen den FC Oberneuland angeschoben. Kiel hatte den Verein in beiden Ligaspielen recht souverän bezwungen und stand vor dem Spieltag dieses Wochenendes auf Platz 1 – direkt vor dem Gegner dieses Spieltags TSV Havelse. Die DFB-Regularien sehen nun vor, dass alle Ergebnisse einer aus der Liga ausscheidenden Mannschaft annuliert werden. Alles soll so sein, als hätten die Spiele des betreffenden Teams nicht stattgefunden. Das bedeutet auch: 6 Punkte Abzug für Holstein Kiel. 

So fand man sich plötzlich, ohne eigenes Verschulden auf Rang zwei wieder, da Havelse gegen Oberneuland ein Unentschieden und eine Niederlage einfuhr, ergo nur einen Punkt abgezogen bekam. Das wiederum setzte Kiel mächtig unter Druck. Das Samstagsspiel gegen Havelse durfte nun unter keinen Umständen verloren gehen. OK, Kiel gewann 2:1 und alle ist gerade noch mal “gut” ausgegangen.

Aber: was für ein Unfug ist diese Regel eigentlich? Es ist vollkommen in Ordnung Vereine mit Punktabzug zu bestrafen, wenn Sie Mist bauen. So bekam auch der SV Wilhelmshaven 6 Punkte abgezogen – wegen eines Transferstreits. Worin liegt aber der Sinn, andere Teams für die (finanziellen) Verfehlungen zu bestrafen? Immerhin hatte Kiel diese 6 Punkte ja sportlich errungen und sich wahrlich verdient.

Anders herum kann man natürlich argumentieren: Offensichtlich hat der FC Oberneuland über seine Verhältnisse gelebt und sich damit einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Vielleicht sogar durch den Zukauf von Spielern, ohne die sie den TSV Havelse nie geschlagen hätten.

Wiederum andererseits waren die Bedingungen für alle gleich. Kiel hat gegen den selben FC Oberneuland gespielt wie auch der TSV Havelse. Aus den beiden Spielen ist Kiel gegenüber dem TSV Havelse mit 6:1 Punkten hervor gegangen und fertig. Selbst wenn sich der FC Oberneuland so einen nennenswerten Wettbewerbsvorteil verschafft hätte – muss man dann nicht irgendwie belohnen, dass es Holstein Kiel trotzdem gelungen ist, das Team gleich doppelt zu bezwingen? Darf Mannschaft A durch unfaires Spiel von Mannschaft B wirklich ein Nachteil entstehen? Ich habe auch nach einigem Grübeln keine bessere (weil fairere) Regel parat – aber ich denke, da sollte man sich mal intensiv Gedanken drüber machen.

Ganz zu schweigen davon, dass es unmöglich ist, so eine Entscheidung praktisch fünf Minuten vor Saisonende zu fällen. Wäre das zur Mitte der Saison passiert, wäre es war nicht minder ärgerlich, aber Kiel hätte noch massig Zeit gehabt, die daraus entstandene Benachteiligung wieder zu reparieren. Wie zum Beispiel bei der Insolvenz des VfB Lübeck in dieser Saison, der Kiel ebenfalls einen Punktabzug von 3 Punkten bescherte. Zwischen den beiden Teams gab es aufgrund der frühen Insolvenz nur ein Spiel. Gleiches Bild bei Havelse-Lübeck: Nur ein Spiel, ein Sieg für Havelse, 3 Punkte Abzug für Havelse.

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Wie man 2013 Daten aufbereitet. Zwei Beispiele.

Wir leben in einer Welt, in der wir theoretisch Zugriff auf alle Daten haben. Innerhalb weniger Minuten hat man eine Tabelle vor sich, die die Kindersterblichkeit verschiedener Länder mit den Absatzzahlen von Coca Cola in Relation setzt. Unfassbar große Datenberge mit denen oft auch unfassbar großer Unfug getrieben wird. Plus: Menschen sind anscheinend wirklich, wirklich schlecht darin, diese Datenberge korrekt zu interpretieren.

Das gelingt schon viel, viel besser wenn man diese Daten visualisiert. Hier mal zwei konkrete Beispiele, die Ansporn für alle von uns sein sollten, die Daten in irgendeiner Form aufbereiten.

Das erste Beispiel ist ein sehr einfaches, jedoch nicht minder beeindruckendes: Der heutige Tag in Relation zur Ewigkeit. Einfach immer weiter unten auf “okay” klicken. Here is Today.

 Im zweiten Beispiel geht es darum, wie das private Gesamtvermögen der USA über ihre Bürger verteilt ist:

 

So, liebe Journalisten, die ihr tagtäglich versucht uns politische und wirtschaftliche Zusammenhänge zu verdeutlichen: Sehr zu, dass euch eure Redaktionen und Verlage Fortbildungen in “Datenvisualisierung” bezahlen. In einer immer komplexer werdenden, sich immer schneller drehenden Welt wird es immer wichtiger, den Durchblick zu behalten. Und man muss die Frage stellen, ob seitenlange Aufsätze und Reportagen noch das Mittel der Wahl dazu sind. Natürlich kann man in Texten noch präziser sein. Aber Menschen brauchen zu allererst einen Überblick. Einen Überblick, der Fakten in Relation zueinander oder in einem Gesamtkontext präsentiert. Auf!

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Feiertage

Seit ziemlich genau einem halben Jahr bin ich inzwischen ordentlicher Angestellter und komme seit dem in den Genuss, Feiertage auch wirklich feiern zu können. Beziehungsweise an den Abenden vor den Feiertagen feiern zu können. Denn bislang galt für mich immer: Ein Feiertag ist ein Tag an dem ich kein Geld verdiene. Es sei denn, ich “verschwende” einen Tag meines Jahresurlaubs darauf.

Dieser Mai ist ein Monat, in dem ich mich vor zusätzlichen freien Tagen gar nicht retten kann. 1. Mai, Christi Himmelfahrt, Pfingsten. Und die ersten beiden liegen so günstig, dass man mit drei Urlaubstagen auf ein mal fünf und ein mal vier freie Tage am Stück kommt. Super.

Christen-Feiertage

Die meisten deutschen Feiertage sind allerdings christlicher Natur und da habe ich so ein paar Probleme mit. Erstens bin ich kein Christ und zweitens halte ich Religion per se für schädlich und drittens bin ich sehr für die absolute Trennung von Kirche und Staat. Irgendwie finde ich solche Tage immer merkwürdig. Ja, man hat frei und das ist natürlich toll. Aber an vielen Feiertagen weiß ich überhaupt nicht, weshalb ich frei habe. Und wenn man sich dann damit beschäftigt, wird einen schnell klar, was für einem nahezu okkulten Quatsch man da feiert. Tote werden wieder zum Leben erweckt und so. Eine echte Ausnahme bildet Weihnachten. Vermutlich weil es das einzige Fest ist, dass wirklich ausgiebig zelebriert wird und dem man nicht ausweichen kann. Ich wette, mehr als die Hälfte der nächsten Donnerstag freihabenden Bevölkerung weiß nicht, wieso sie da frei hat.

Religiöse Feiertage abschaffen

Streng genommen müsste ich also dafür sein, religiöse Feiertage einzustampfen. Noch strenger genommen müsste ich also dafür sein, religiöse Feiertage ersatzlos einzustampfen. Ersatzlos, weil alles andere Quatsch wäre. “Ich bin zwar kein Christ aber wenn ihr mir meinen christlichen Feiertag wegnehmt, will ich dafür angemessen entschädigt werden!” – Klappt nicht.

Mir ist allerdings sehr wohl bewusst, dass das ersatzlose Streichen von diesen Feiertagen nicht passieren wird. Dafür gibt es keine Mehrheit. Und, mal ganz ehrlich: Wer will schon freiwillig auf freie Tage verzichten? Zumal solche, um die man nicht mal verhandeln muss? Trotzdem bin ich sehr dafür, den ganzen religiösen Firlefanz auch so weit vom Staat zu trennen, dass diese Feiertage eben nicht mehr automatisch frei sind.

Alternative A: Staatsfeiertage

Ich glaube, es ist breiter Konsens, dass “der Deutsche” nicht explizit dem Pfingstmontag, sondern lediglich einem freien Tag nachtrauern würde. Man könnte religiöse Feiertage in ihrer Anzahl also durch so etwas wie “Staatsfeiertage” ersetzen. Karfreitag und Ostermontag fallen weg, dafür feiern wir ab jetzt das Ende des zweiten Weltkriegs und die Befreiung von Auschwitz mit einem freien Tag. Statt Pfingstmontag die Einführung des Wahlrechts für Frauen. Und so weiter. Das hat zwei Vorteile gegenüber der kompletten Abschaffung. Erstens geht nur ein Teil der Bevölkerung auf die Barrikaden, die Hard-Core-Christen nämlich, und zweitens kann man damit Tage wie zum Beispiel die Gründung der Europäischen Union, die wirklich ausnahmslos alle Menschen, die in diesem Staat leben, direkt betreffen würdigen. Nicht nur solche, die für eine Minderheit wirkliche Bedeutung haben.

Alternative B: Komplett freie Wahl

Sollte man zu der Auffassung gelangen, dass Religionen eine zu wichtige Rolle in diesem Staat spielen, könnte man jedem Bürger die Wahl der Feiertage freistellen. Man kann ja leicht ermitteln, wie viele religiöse Feiertage der Deutsche im Schnitt pro Jahr hat und addiert diese Anzahl einfach zu der im Bundesurlaubsgesetz festgeschriebenen Anzahl von Mindesturlaubstagen pro Jahr. So wird zum Einen die Trennung von Kirche und Staat erreicht und zum Anderen werden Menschen nicht in der Anzahl ihrer freien Tage beschnitten, für die es inzwischen ja schon so etwas wie ein Gewohnheitsrecht gibt.

Wirklich religiösen Menschen kann man dann noch in so weit entgegen kommen, dass man Ihnen das Recht einräumt an für sie wichtigen religiösen Feiertagen garantiert frei nehmen zu können. Damit Cheffe nicht sagen kann “Ja, feiere doch ruhig deinen Pfingstmontag – aber mach das bitte schön gefälligst hier im Büro, da gibt’s keinen Urlaub!”. Aber das muss dann halt auch für jede Religion gelten und seitens des Arbeitnehmers verbindlich für, sagen wir, ein Jahr, damit er sich nicht heute als Christ, morgen als Moslem und übermorgen als Buddhist fühlt, um alle Feiertage mitnehmen zu können.

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Bietet Videoüberwachung Terroristen eine Plattform?

Es ist nicht auszuhalten!

Reflexartig und ohne auch nur eine halbe Sekunde nachzudenken wurde nach den Explosionen beim Boston-Marathon wieder nach mehr Überwachung, vor allem mehr Videoüberwachung, geschrien. Ganz vorne mit dabei natürlich wieder Herr Uhl von der CDU aber auch Herr Oppermann (SPD) sympathisierte in der Tagesschau (oder waren’s die Tagesthemen?) mit der Idee. Immerhin Claudia Roth, die mir sonst völlig unsympathisch ist, erteilte diesem Streben in der selben ARD-Sendung eine klare Absage.

Aber gucken wir doch mal ein paar Minuten lang auf die Fakten. Gab es Videoüberwachung beim Boston-Marathon, respektive generell in der Stadt Boston? Ja. Hat das die beiden mutmaßlichen Terroristen davon abgehalten dort ihre Bomben zu platzieren und hochgehen zu lassen? Nein. Natürlich, mit noch mehr Kameras und noch mehr Überwachungspersonal hätte man das vielleicht verhindern können. In der Theorie. Wenn man jedem Bürger 24/7 einen Polizisten zur Seite stellen würde gäbe es übrigens gar keine Verbrechen mehr. Nicht mal mehr Ordnungswidrigkeiten! Praktisch ist die totale Überwachung, die eine logische Konsequenz der Forderungen ist, nicht bezahl- und umsetzbar. Ganz zu schweigen davon, dass nicht nur ich sie (zumindest in Deutschland) für verfassungswidrig halte. Zumindest die anlasslose Überwachung.

Das viel wichtigere Argument ist jedoch die Natur des Terrors selbst. Denn worauf kommt es Terroristen in aller Regel an? Angst und Schrecken zu verbreiten. Aufmerksamkeit erhaschen – für sich, die Tat und das dahinter stehende Ziel.
Menschen, die nicht genug Aufmerksamkeit bekommen können gehen hierzulande in den Big-Brother-Container. Weil sie dort 24/7 von Kameras überwacht werden. Warum sollte denn bitte ein Terrorist auf die Idee kommen, nur weil es in Boston Kameras gibt sein Attentat irgendwo in den Wäldern vor den Toren der Stadt zu verüben, wo es a) keiner mitbekommt und es b) keine Opfer gibt? Nicht mal potenzielle. Außer zwei Kaninchen, einer Ameisenkolonie und ein paar Bäumen.

Hat schon mal jemand eine wissenschaftlich Arbeit darüber verfasst, ob man den Terroristen durch die Videoüberwachung nicht erst recht eine Plattform bietet? Und zwar ganz unabhängig von der “privaten Videoüberwachung” bei Großereignissen, die die Besucher solcher Veranstaltungen mit Ihren Smartphones und Tablets vornehmen.

Ich habe dazu natürlich keine empirischen Daten. Aber anscheinend hat sich da auch noch niemand so richtig mit beschäftigt. (Wenn ihr diesen Text zum Anlass für die Wahl eures Dissertationsthemas nehmt – ich hätte gerne ‘ne Kopie davon mit Widmung! :) ) Ich denke aber, man sollte da mal drauf rumdenken. Führ die Ausweitung der Videoüberwachung zu einer Lose-Lose-Situation, in der die Freiheit der “anständigen Bürger” beschnitten und zugleich den Terroristen neue Anreize gegeben werden. Und müssen sich dann all jene Schreihälse, die mehr Überwachung wollen, dann als Helfershelfer der Terroristen alle gegenseitig verhaften?

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Kommt es zur Stadtflucht?

Es ist kein Geheimnis, dass sich Magazine wie Landlust verkaufen wie geschnitten Brot. Menschen dürstet es offenbar nach einem Stück ländlicher Idylle und Beschaulichkeit. Ich stelle mir die Frage, wann sich dieser Durst nicht mehr durch 100-seitige Papierhefte stillen lässt. Und was dann passieren wird.

Das Leben auf dem Land ist natürlich längst nicht mehr so, wie es in derartigen Zeitschriften häufig beschrieben wird. Da wird viel romantisiert und die Nostalgie kommt auch nicht zu knapp. Aber trotzdem bieten Dörfer und überhaupt das ländliche Leben viele Vorteile gegenüber der Stadt. Weniger Lärm, weniger Verkehr, weniger Kriminalität, bessere Luft, weniger Anonymität, … Oh, und nicht zu letzt: häufig signifikant niedrige Mieten.

Worauf muss man verzichten? Na ja, ohne ein eigenes Auto hat man in der Regel verloren. Das braucht man selbst in größeren Ortschaften praktisch für alles. Den Weg zum Arzt, den Einkauf. Auch wenn man abends mal weggehen will, sei es nun in ein Restaurant, eine Kneipe oder zum Feiern – häufig wird man zu hause bleiben müssen, wenn man nicht fahren oder ein teures Taxi bezahlen möchte. Und ob das Kind mit dem Rad oder gar zu Fuß zur Schule kommt ist auch nicht gewiss. Wenn dann noch die Busse ungünstig fahren…

Für viele, und zwar nicht nur für das Gros der Land-Zeitschriften-Käufer, dürften die Pluspunkte aber überwiegen. Leben auf dem Land, arbeiten in der Stadt. Ist das die Zukunft? Und was bedeutete das für die Städte? Wenn mehr und mehr Leute aufs Land zögen, würden dann Dienstleister wie Ärzte folgen und würde die Versorgungslage in den Städten dann leiden? So weit, dass das Landleben irgendwann nicht nur die subjektiv sondern auch objektiv bessere Wahl wird? Finanztechnisch wäre es dann wohl klug jetzt Immobilien außerhalb von Städten zu kaufen.

Für Städte würde das außerdem noch zwei weitere schwer verdauliche Dinge mit sich bringen: Zum einen würde die Stadtflucht, die Suburbanisierung, zu geminderten Steuereinnahmen führen. Zum anderen müssten die Städte gleichzeitig mit stärkeren Pendlerströmen zurecht kommen.

Landkreise müssten ihrerseits auf einige Dinge achten. Nämlich darauf, dass aus den Dörfern keine Städte werden. Darauf, dass die Vorteile, die das Land gegenüber der Stadt hat, erhalten bleiben. Und es muss an vernünftigen Lösungen in Sachen Mobilität gearbeitet werden. Vorzugsweise gemeinsam mit den Städten, wo die Menschen zum Arbeiten hinfahren.

Bin ich da völlig auf dem Holzweg? Ist das ein aktuelles und reales Problem? Oder habe ich mir da (viele) Gedanken um ein Thema gemacht, das in der echten Welt keine Rolle spielt? Die nähere Zukunft wird es zeigen. Mich persönlich reizt das Leben in der Stadt schon länger nicht mehr. Ich wohne nur noch in der Stadt, weil ich in meiner WG in Kiel noch günstiger wohnen kann, als ich das allein außerhalb könnte, ohne meinen Lebensstandard zu mindern.

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Die Telekom macht das Internet funktional kaputt

So, nun ist es offiziell. Wer ab dem 02.05.2013 Internet bei der Telekom kauft, wird nach einem Volumen von, je nach Tarif, 75 bis 400GB auf 384Kbit/s gedrosselt. Damals, in der schlechten Zeit, als ADSL (“T-DSL”) noch richtig, richtig langsam war, hatte man übrigens eine Geschwindigkeit von 768Kbit/s.

Bei dem besten/teuersten Tarif, den die Telekom einem ohne Glasfaserkabel anbietet (VDSL mit 50Mbit/s) greift diese Drosselung dann nach 200GB. Wenn man zum Beispiel “Der Hobbit” bei iTunes in HD (in diesem konkreten Fall heißt HD sogar nur 720p) ausleiht sind das mal eben 6,5GB. Bei “Cloud Atlas” sind’s sogar 6,8GB, während ein durchschnittlich langer Film wie “Man tut was man kann” auf 3,7GB kommt. Wer einen Apple TV sein Eigen nennt, kommt sogar in den Genuss von Full-HD-Filmen (1080p), die sogar noch größer sind.

Dank iTunes Match habe ich keine Musik mehr auf meinem Rechner sonder streame alles aus der Cloud. Außerdem habe ich diverse Podcasts abonniert, gucke viel YouTube, nutze Dropbox, lade meine Fotos auf Flickr, lege meine Backups online ab, … Mit anderen Worten: Ich nutze das Internet ganz normal. OK, vielleicht bis auf die Sache mit den Online-Backups. Das hat sich in Deutschland noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Die Telekom macht mir jetzt nach 200GB die Leitung zu. OK, ich habe Glück im Unglück und bin schon Kunde, werde also nur auf 6Mbit/s gedrosselt. Aber das in einer Zeit, in der man in Japan für um die 40 Euro Internet mit 1Gbit/s kaufen kann. Das in einer Zeit, in der Google in den USA Glasfaser-Internetzugäng praktisch verschenkt.

Die Telekom führt Deutschland zurück in die “dark ages” des Internet. Vermutlich gibt’s auch bald wieder günstigere und teurere Internet-Zeiten. Wer sein VDSL tagsüber nutzt bekommt nur jedes zweite Bit gegen sein Volumen gerechnet. Abends dafür das 1,5-fache. Oder umgekehrt. Mondscheintarif.

Neben dieser ganzen Sch… birgt das auch noch die Gefahr eines neuen Volkssports: Telekom-DSLs-runterfahren. Wenn ich bei einem Provider ohne Drosselung bin und deine Telekom-IP-Adresse kenne, kann ich da doch ungehindert Daten drauf ballern. Das mache ich am zweiten eines Monats einfach mal zwei, oder drei Stunde lang und schon surfst du nur noch mit 348Kbit/s. Oder noch besser: Ich mache das von einem gut angebundenen Server aus. Dann geht’s noch schneller.
Oder noch besser: Die Telekom macht das einfach selbst. Ich will denen das jetzt nicht unterstellen. Aber das wäre ein weiteres interessantes Modell für Mehreinnahmen. Denn man wird wohl zusätzliches Volumen kaufen können. Lass die doch mal nur 3% ihrer Kunden im Monat durch eine “Panne” mit Daten zuscheißen. Wenn davon nur jeder zweite 5 Euro nachwirft, weil er auch die restlichen 20 Tage des Monats noch YouTube gucken können will…

Oh, und dann ist da noch die Problematik der Netzneutralität. Denn die Telekom-Bits (Videoload, T-Entertain) zählen natürlich nicht gegen das Limit. Somit muss ich nicht nur überlegen, ob ein Film z.B. bei Videoload oder iTunes günstiger zu haben ist, ich muss auch noch einkalkulieren, ob mich der Film bei iTunes zwar 50 Cent weniger kostet, mich dafür aber vielleicht über mein Monats-Limit schiebt. Völliger Irrsinn. Aber vielleicht kann man dann ja bald für 10€/Monat eine iTunes-Flatrate oder eine YouTube-Flatrate dazu kaufen. Mit Spotify machen sie’s ja schon jetzt so…

Na ja, wer das ganze noch mal wirklich gut aufbereitet hören möchte, hört bei Clemens/David rein. Viel Spaß und seht zu, dass ihr von der Telekom weg kommt. Auch wenn die Telekom sagt, sie werde diese Drosselung technisch nicht vor 2016 umsetzen können. Weiß man’s? In den Verträgen steht’s drin und es kommt, wenn’s kommt.

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Syrien

Ich habe mich seit dem Wochenende mal etwas ausführlicher mit dem Thema Syrien beschäftigt, um zu verstehen, weshalb das Land angekommen ist, wo es sich aktuell befindet – im Chaos.

Eigentlich hätte an dieser Stelle einen länglichen Post mit einer kurzen Geschichte Syriens verfassen wollen. Gerade noch rechtzeitig bin ich auf ein Video vom großartigen ZeFrank gestoßen, der genau das quasi schon getan hat. Zwar endet seine Geschichte 2011 – aber die Entwicklungen seit dem sind uns ja ohnehin allen bekannt.

In diesem Sinne: Syria :: 10,000 BC to 2011

 

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